82 wohninsider.at | April/Mai | 02. 2024 RAUM : OBJEKT wohninsider: Die textile Branche kennst du wie deine Westentasche. Wie entwickelt sie sich? Mario Lohr: Ich bin schon seit 1995 in der Branche, habe die HTL Spengergasse absolviert, in so gut wie alle Bereiche der Textilbranche hineingeschnuppert, selbst Stoffe produziert und Designs kreiert, bevor ich meine Agentur gegründet habe. In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat ein großer Wandel stattgefunden. Die Innenarchitektur in Österreich hat an Bedeutung gewonnen und mit ihr die Innenraumgestaltung mit Textilien, Tapeten und Farbe. Innenarchitekt:innen haben darauf einen anderen Blick als Architekt:innen und das macht einen großen Unterschied. Gibt es ein Kernelement für gutes textiles Interior Design? Es braucht Geschichten in der Interior Design-Branche. Diese Geschichten lassen sich mit Textilien am besten erzählen. Im Textilbereich wird weniger das Produkt an sich als vielmehr die Emotion verkauft. Stoff hat tausende Facetten, mit denen sich Emotionen ins Spiel, sprich in den Raum bringen lassen, und genau das schaffen Innenarchitekt:innen exzellent. Sie haben viel Feingespür für Textil, auch weil sie sich intensiver damit beschäftigen. Genau darum geht es beim textilen Einrichten: Stoffe richtig einzusetzen. Tatsächlich steigen viele aber über die Tapete ein, Stoff ist meistens das zuletzt ins Gesamtkonzept eingefügte Element. Firmen im hochwertigen Bereich wie die ROMO Group, die ich in Österreich vertrete, haben darauf reagiert, entwickeln zunehmend Themenkollektionen und bieten damit vom Deko- über den Bezugsstoff bis zur Tapete korrespondierende Produkte, die gemixt oder ganz anders kombiniert werden können. Solche Kollektionen sind ein guter Vorschlag und Impulsgeber für Inneneinrichter:innen, Raumausstatter:innen und Interior Designer:innen, werden gerne angenommen und eröffnen eine große gestalterische Spielwiese. Welche Tendenzen und Entwicklungen zeigen sich? Darf es wieder mehr Farbe sein? Schon, wenn auch nicht im Übermaß. Die Österreicher:innen sind nicht die Mutigsten, es ist aber spürbar, dass wieder Farben, Texturen, Strukturen und Muster ins Spiel kommen und sich der eine oder andere mehr traut. Das ist ebenfalls wieder den Innenarchitekt:innen und -raumgestalter:innen geschuldet, die Kund:innen für progressivere Gestaltungsideen begeistern können. In Österreich gibt es aber auch noch viel Potenzial, in anderen Ländern hat die Innenraumgestaltung und vor allem das textile Interior Design einen anderen, höheren Stellenwert, beispielsweise in England und den USA. Dort gibt es riesige Showrooms, wo viele Firmen aus dem Textil-, Tapeten- und Farbbereich präsent sind und die von Interior Designer:innen und deren Kund:innen immer gerne besucht werden. In Österreich gibt es keinen solchen Hotspot. Woran liegt das? Unsere Strukturen sind noch nicht so weit und die Fachgeschäfte werden immer weniger und kleiner. Ich bin diesbezüglich gerne Visionär und denke mit Kolleg:innen aus der Branche MARIO LOHR, AGENTUR FÜR STOFF- UND EINRICHTUNGSKOLLEKTIONEN Mit Emotion und Vision Interior Design braucht Geschichten und mit Textilien lassen sie sich am besten erzählen, davon ist Mario Lohr überzeugt. Mit seiner Agentur für Stoff- und Einrichtungskollektionen bekennt er sich auch zu Farbe, sieht textiles Interior Design im Aufwind mit Luft nach oben und bringt ein spannendes Konzept mit Zukunftspotenzial ins Gespräch. Von Sylvia Pilar „Es braucht Geschichten in der Interior Design-Branche. Diese Geschichten lassen sich mit Textilien am besten erzählen.“ Mario Lohr, Agentur für Stoff- und Einrichtungskollektionen Alles außer gewöhnlich: Temperley London x Romo. Diese Seite: Portrait © Mario Lohr, großes Foto: The Romo Group
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