42 wohninsider.at | April/Mai | 02. 2024 KÜCHE „Klar war, dass der Markt zurückgeht, dass er aber so massiv einbricht, damit haben auch wir nicht gerechnet“, spricht Andreas Kreutzer Tacheles und verweist dabei auf die aktuellen BRANCHENRADAR-Zahlen zum Küchenmarkt 2023. Demzufolge sei vor allem der Austauschmarkt massiv – nämlich um praktisch ein Viertel – eingebrochen. Konkret wurden so im Vorjahr nur rund 106.000 Bestandsküchen ausgetauscht, der langjährige Durchschnitt liegt zwischen 135 und 140.000 Küchen, so Kreutzer. Mit dem Blick auf das aktuelle Jahr kommt hier verschärfend hinzu, dass die oftmals angesprochenen rückläufigen Bau-Bewilligungen (siehe auch unseren Bericht in Ausgabe 1/2024, kurzelinks.de/h8el) nun schlagend werden und auch im Neubau – und damit in der zwangsläufigen einhergehenden Küchenerstausstattung – mit einem kräftigen Rückgang zu rechnen ist. Kann es eine Trendwende geben? Kreutzer ist hier wenig optimistisch: „Das könnte nur in einem massiven Ansteigen des Austauschgeschäft begründet liegen. Davon gehen wir aber aus mehreren Gründen nicht aus.“ Einerseits sei die wirtschaftliche und weltpolitische Lage aktuell wenig investitionsmotivierend, zum anderen trage insbesondere im Küchen-Studiobereich das Einfamilienhaus einen großen Beitrag zum Küchengeschäft bei. Der Rückgang in den Baubeginnen ist jedoch auch hier dramatisch, so gingen etwa die Aufträge für Fertigteilhäuser in den Jahren 2022 und 2023 um jeweils rund 25 % zurück. Im Gebäudebestand fällt hingegen eine andere Thematik schwer ins Gewicht. Die aktuell sehr hohen Förderungen für thermische und energetische Sanierung motivieren Besitzer von Einfamilienhäusern eher in diesen Bereich zu investieren. Kreutzer: „Wenn man schon Geld in die Hand nimmt, dann eher für Investitionen, bei denen der Staat einen guten Teil beisteuert. Eine Küche zu ersetzen, hat in der Regel keine Eile.“ Denn, so fasst der BRANCHENRADAR-GF zusammen: „Man saniert und renoviert in der Regel ja nicht weil etwas total kaputt ist, sondern, weil es nicht mehr gefällt – das betrifft aber aktuell viele Branchen, nicht nur den Bereich Küchen.“ Was kann also getan werden? Ansätze gibt es darob mehrere und von verschiedenen Seiten. Einerseits hat der Ministerrat kürzlich ein “Wohn- und Baupaket” mit einem Volumen von 2,2 Milliarden Euro bis 2027 beschlossen um den Bau wieder anzukurbeln. Ein Paket, das leider sehr asymmetrisch wirkt, wie Kreutzer anmerkt, denn mit dem mehrgeschoßigen Wohnbau würden hauptsächlich die großen Unternehmen à la Habau und Strabag profitieren, nicht jedoch die kleinen Bauunternehmen und Gewerke. Nachsatz: „aber es ist besser als nichts.“ Was es von politischer Seite bräuchte, liegt für den Branchenanalysten auf der Hand und ist auch in seinem Buch „Das Ende der Maurerkelle“ nachzulesen (wir berichteten in Ausgabe 1/2024, kurzelinks.de/h8el). Kreutzer: „Um auch die kleinen Bau- und Handwerksunternehmen zu unterstützen, haben wir für Einfamilienhäuser einen Investitionskostenzuschuss von 20 % angeregt (bis max. 100.000 Euro). Und man müsste die Wohnbauförderung von 2 auf 4 Mrd. Euro erhöhen und danach annual valorisieren.“ Auch sei die Medienbranche an der allgemein negativen Stimmung hinsichtlich Bau in der Pflicht: „In der Wahrnehmung der Menschen ist Bau – insbesondere das Einfamilienhaus – etwas Schlechtes, weil es angeblich die Flächenversiegelung fördere und die Umwelt belaste, dass uns aber einerseits die leistbaren Wohnungen ausgehen und andererseits für viele Familien der Traum von Eigenheim persönliche Freiheit bedeutet, das wird gerne mal vergessen in der Berichterstattung.“ Den Menschen ist es einfach zu teuer Seitens der gesamten Wertschöpfungskette müsste zudem eine generelle Preissenkung erfolgen. Warum? „Die Preise sind in den vergangenen Jahren einfach zu stark gestiegen. Den Menschen ist vieles zu teuer geworden. Eine Küche kostet heuer im Durchschnitt um 20 % (!) mehr als noch vor drei Jahren.“ Noch gravierender war der Anstieg z.B. im Bereich Bauen mit rund einem Drittel oder in der Weißware mit plus 30 % über einen Zeitraum von drei Jahren. Kreutzer: „Viele Teilnehmer haben sich mit viel zu saloppen Preiserhöhungen einfach aus dem Markt rauskalkuliert.“ Weil nun die Konsumenten dadurch (erheblich) länger auf eine Küche sparen müssten, würde das verfügbare Kapital zwischenzeitlich auch schon mal für Reisen oder Konsumgüter ausgegeben, was wiederum die Spardauer nochmals erhöhe. – In Summe also ein Mix an Faktoren, die allesamt dem Küchenverkauf nicht zuträglich sind. Was kann der einzelne Händler machen? Für das einzelne Studio sieht der Branchenanalyst folgende Ansätze: Generell kann man ja bekanntlich in schrumpfenden Märkten Fotos: SI.MA.pix, Lilly Unterrader/wohninsider, Grafik: BRANCHENRADAR.com BRANCHENRADAR Branchenübergreifend denken Der Küchenmarkt ist im Vorjahr nicht nur subjektiv, sondern auch belegt mit harten Zahlen, radikal zurückgegangen. Und heuer wird es nicht viel besser – eher im Gegenteil – lässt BRANCHENRADAR-Mastermind Andreas Kreutzer wenig Raum für Hoffnung auf „Bewährtes“. Daher bedürfe es eines branchenübergreifenden Denkens und Handelns – etwa hin zu Glas, Porzellan und Geschirr. Von Lilly Unterrader
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